Biofaktoren in der Gynäkologie: Vitamin-B12-Mangel bei Neugeborenen nachweisen

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen spricht sich in seinem aktuellen Bericht von März 2024 für eine Früherkennung eines erworbenen Vitamin-B12-Mangels bei Neugeborenen aus.

Neugeborene sollten auf einen potentiellen Vitamin-B12-Mangel untersucht werden – so die aktuelle Empfehlung des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Beim Neugeborenen-Screening (ENS) in der 36. bis 72. Lebensstunde wird Venen- oder Fersenblut entnommen und auf verschiedene Erkrankungen untersucht.  Ein erworbener Vitamin-B12-Mangel zählte bisher nicht dazu, sollte aber laut IQWiG aufgrund der wichtigen Funktionen des Biofaktors Vitamin B12für die kindliche Entwicklung in das erweiterte ENS integriert werden.1

Vorteile des Vitamin-B12-Screenings überwiegen

Vitamin B12 und Vitamin-B12-abhängige Enzyme sind für die Erythropoese, den Proteinstoffwechsel, Funktionen des Nervensystems und verschiedene Vitamin-B12-abhängige Stoffwechselprozesse unerlässlich.2,3 Kann die werdende Mutter keine ausreichenden Mengen von dem Biofaktor aufnehmen, erhöht dieser erworbene Vitamin-B12-Mangel das Risiko für hämatologische und neurologische Beschwerden bei den Neugeborenen:4

neurologische Symptome:

  • Reizbarkeit, Apathie
  • Inappetenz
  • Erbrechen
  • motorische und psychische Entwicklungsstörungen
  • zitronengelbe Haut

hämatologische Symptome:

  • Megaloblastenanämie
  • Panzytopenie

Fazit für die Praxis?

„Das Ziel eines Neugeborenen-Screenings auf Vitamin-B12-Mangel … besteht darin, betroffene Kinder frühzeitig zu identifizieren und zu behandeln – also bevor der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht gerät und irreversible Schäden, insbesondere am Gehirn, verursacht“, so das Fazit des IQWiG.

Prof. Karlheinz Reiners, Neurologe und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Gesellschaft für Biofaktoren e. V. weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass Schwangere und Stillende zur Risikogruppe für einen Vitamin-B12-Mangel zählen und empfiehlt, bereits in der frühen Schwangerschaft auf einen potentiellen Vitamin-B12-Mangel zu untersuchen. Bei nachgewiesenem Mangel sollte dieser gezielt ausgeglichen werden, um irreversiblen Entwicklungsstörungen der Neugeborenen entgegenwirken zu können.

Und noch ein Tipp: Eine generelle Empfehlung zur Erkennung, Diagnose und Behandlung eines Vitamin-B12-Mangels findet sich in der ebenfalls im März dieses Jahres publizierten engl. NICE-Leitlinie wieder.5

 

Besteht der Verdacht, dass Sie oder Ihre Patienten unter einem Mangel an ausgewählten Biofaktoren leiden? Machen Sie den Biofaktoren-Check und finden Sie Ihr persönliches Risiko heraus.

 

Am 18. November 2023 fand das 13. Symposium der GfB als Online-Veranstaltung zum Thema „Biofaktoren und Hirnleistung – eine Bestandsaufnahme. Wissenschaftliche Erkenntnisse und fundierte Praxistipps“ statt.  Hier finden Sie weitere Informationen.

 

Literatur


(1) www.iqwig.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite_113664.html

(2) Reiners K, Djukic M: www.springermedizin.de/vitamin-b12-mangel/ernaehrung-in-der-schwangerschaft/vitamin-b12-mangel-aktuelle-erkenntnisse-und-empfehlungen-fuer-d/25536058

(3) Wolffenbuttel BHR et al.: The many faces of cobalamin (Vitamin B12) deficiency. Mayo Clin Proc Innov 2019; 3(2): 200-214

(4) Rogne T et al.: Associations of maternal vitamin B12 concentration in pregnancy with the risks of preterm birth and low birth weight: A systematic review and meta-analysis of individual participant data. Am J Epidemiol 2017 Feb 1; 185(3): 212-223

(5) www.nice.org.uk/guidance/ng239