Zink – Biofaktor für Immunsystem, Haut und Hormonsynthese

Zink gehört zu den essentiellen Spurenelementen, das heißt, es kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden und muss daher von außen zugeführt werden. Durch eine ausgewogene Ernährung, allen voran mit Lebensmitteln tierischen Ursprungs, könnte der tägliche Zinkbedarf gedeckt werden. Dennoch nehmen mehr als 20 % der Frauen und sogar mehr als 30 % der Männer nicht die empfohlene Tagesmenge des Biofaktors über die Nahrung auf. Mit Hilfe von Zink-Supplementen kann ein Mangel ausgeglichen werden.

Zufuhr-Empfehlungen und Versorgungslage

Im Juli 2019 hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)1 ihre Zufuhrempfehlungen aktualisiert und  die Tagesmenge von Zink für Erwachsene in Relation zum Phytatgehalt der aufgenommenen Nahrung gesetzt. Phytat ist insbesondere in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten reichlich enthalten. (Weitere Informationen erhalten Sie unter „In diesen Lebensmitteln ist Zink enthalten“). Eine hohe Phytatzufuhr kann die Bioverfügbarkeit von Zink um bis zu 45 % reduzieren. Bei einem hohen Phytatgehalt der Kost muss laut den DGE-Empfehlungen daher auch die Zink-Zufuhr erhöht werden.
Daher hat die DGE die Referenzwerte für den Biofaktor Zink ab sofort in Relation zu einem niedrigen, mittleren bzw. hohen Phytatgehalt der Nahrung gesetzt:

Phytatgehalt der NahrungZink-Referenzwerte für FrauenZink-Referenzwerte für Männer
Niedrig7 mg/Tag11 mg/Tag
Mittel8 mg/Tag14 mg/Tag
Hoch10 mg/Tag16 mg/Tag

Für Schwangere werden getrennte Referenzwerte für das erste Trimester sowie für das zweite und dritte Trimester, jeweils in Abhängigkeit von der Phytatzufuhr, angegeben.

Phytatgehalt der NahrungZink-Referenzwerte im 1. TrimesterZink-Referenzwerte im 2. und 3. TrimesterZink-Referenzwerte für Stillende
Niedrig7 mg/Tag9 mg/Tag11 mg/Tag
Mittel9 mg/Tag11 mg/Tag13 mg/Tag
Hoch11 mg/Tag13 mg/Tag14 mg/Tag

Laut der Nationalen Verzehrsstudie (NVS II, 2008) liegt die mittlere Zufuhr von Zink bei Frauen bei 8 mg pro Tag und bei Männern bei 11 mg pro Tag2. In dieser Studie gibt es keine Angaben zur Phytatzufuhr der Bevölkerung. Bei niedriger bzw. mittlerer Phytatzufuhr erreichen gesunde Frauen im Durchschnitt die empfohlene Zufuhr von 7 mg bzw. 8 mg Zink pro Tag, während Männer im Durchschnitt den Referenzwert nur bei niedriger Phytatzufuhr erreichen. Insgesamt erreicht jedoch ein großer Anteil der Bevölkerung nicht einmal die empfohlene tägliche Zinkzufuhr, die bei niedriger Phytataufnahme zur Deckung des täglichen Zink-Bedarfs erforderlich wäre. Insbesondere ältere Männer (65–80 Jahre) und sehr junge sowie ältere Frauen (14–18 Jahre und 65–80 Jahre) nehmen häufig zu wenig Zink auf.

Empfehlungen zur Zink-Supplementation

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt eine Tageshöchstmenge von Zink in Nahrungsergänzungsmitteln von maximal 6,5 mg3. Die therapeutische Zinkzufuhr bei einem Zinkmangel liegt mit 10–50 mg pro Tag wesentlich höher und kann über entsprechend zugelassene Arzneimittel gedeckt werden.

Diese Ursachen können zu einem Zinkmangel führen

Die möglichen Ursachen für einen Zinkmangel sind vielfältig. Die Unterversorgung kann zum einen durch eine ungenügende Zinkzufuhr über die Ernährung, vor allem bei Diäten und Fastenkuren sowie vegetarischer und veganer Kost, bedingt sein. Zum anderen steigt in bestimmten Lebenssituationen der Zinkbedarf an. Schwangerschaft und Stillzeit sowie Stress können den Zinkbedarf erhöhen, Leistungssport und starkes Schwitzen führen zu einer erhöhten Zinkausscheidung, Alkohol- und Nikotinabusus hemmen die Zinkaufnahme. Zudem kann die Zinkresorption vermindert sein, zum Beispiel bei chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Zöliakie oder Darmresektionen. Diabetes mellitus sowie die Einnahme diverser Medikamente wie ACE-Hemmer, Diuretika und Kortikoide führen zu einer erhöhten Ausscheidung des Biofaktors über die Nieren.

Physiologie – Zink ist beteiligt an Immunabwehr, Haut- und Zellstoffwechsel sowie Hormonsynthese

Der Biofaktor Zink ist in zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper involviert. Über 300 Enzyme enthalten Zink oder werden durch Zink aktiviert. Der Körperbestand eines Erwachsenen liegt bei 2 g Zink, wovon etwa 98 % in den Zellen vorliegen.
Zink übt folgende wichtige Funktionen aus:

Immunabwehr
Der Biofaktor ist für die humorale und zelluläre Immunantwort unerlässlich, insbesondere für die T-Lymphozyten-Produktion4. Eine aktuelle Studie an älteren Menschen konnte nachweisen, dass sich T-
Zell-Proliferation und Infektionsresistenz durch eine Zink-Supplementation signifikant erhöhten5. Zudem konnte durch weitere Studien gezeigt werden, dass sich durch hohe Zinkdosen die Dauer von Erkältungssymptomen signifikant verkürzen lässt6.

Hautgesundheit
Der Biofaktor Zink reguliert den Vitamin A-Stoffwechsel und hat dadurch Einfluss auf die Entwicklung und Differenzierung von Haut und Schleimhaut. Zudem wirkt Zink antibakteriell und antientzündlich und fördert durch eine gesteigerte Zellteilung die Wundheilung7. Beispielsweise zeigte eine Studie den positiven Einfluss von hochdosiertem Zink auf entzündliche Akne8.

Blutzuckerspiegel, Hormonsynthese und Zellteilung
Der Biofaktor spielt eine zentrale Rolle in der Regulierung des Blutzuckerspiegels, da er Bestandteil des Insulins in seiner Speicherform ist. Zudem ist Zink nicht nur am Insulinaufbau beteiligt, sondern an der Synthese anderer wichtiger Hormone (Glucagon, Schilddrüsen-, Sexual- und Wachstumshormone). Zink ist Teil der DNS- und RNS-Polymerase und somit essentiell für die Zellteilung. Daraus erklärt sich der positive Zinkeinfluss auf Wundheilung, Haar-, Nagel- und generelle Wachstumsprozesse sowie die Spermienproduktion.

Schutz vor oxidativem Stress
Der Biofaktor Zink ist Bestandteil des Enzyms Superoxiddismutase. Aufgrund deren antioxidativer Wirkung trägt Zink zum Schutz des Körpers vor schädlichen oxidativen Prozessen bei.

Sehkraft
Iris und Retina (Regenbogen- und Netzhaut) gehören zu den Geweben und Organen mit den höchsten Zinkgehalten. Der Biofaktor ist u.a. unerlässlich für den Stoffwechsel der Retina.

Welche Folgen hat ein Zinkmangel?

Aufgrund der vielfältigen physiologischen und biochemischen Prozesse, an denen Zink beteiligt ist, kann ein Zinkmangel die verschiedensten Krankheiten und Symptome hervorrufen oder begünstigen9:

gestörtes Immunsystem
Da Zink an zahlreichen Stoffwechselprozessen im Rahmen der Immunabwehr beteiligt ist, kann ein Zinkmangel ursächlich für wiederkehrende Infekte (z. B. Erkältungen, Blasenentzündungen oder Lippenherpes) verantwortlich sein.

allergisches Asthma
Bei Patienten mit allergischem Asthma werden oft niedrigere Serum-Zinkspiegel als bei gesunden Menschen diagnostiziert. Untersuchungen konnten nachweisen, dass Asthma-Patienten mit Zinkmangel von  einer Supplementierung mit dem Biofaktor profitieren10.

Depressionen
Verschiedene Studien weisen auf eine Verbindung zwischen Zinkmangel und Depressionen hin, wobei die Schwere der Depression mit der Höhe des Zinkdefizits korreliert11.

Hauterkrankungen und Störungen der Wundheilung
Akne, Neurodermitis, Psoriasis oder eine trockene Haut sowie Wundheilungsstörungen können durch einen Zinkmangel begünstigt werden.

Haarausfall und brüchige Nägel
Zink ist an der Zellteilung und somit am Wachstum von Haaren und Nägeln beteiligt. Ein Mangel des Biofaktors kann daher zu dünnem Haar und Haarausfall sowie zu brüchigen Nägeln führen.

unerfüllter Kinderwunsch
Da der Biofaktor an der Synthese der Sexualhormone und an der Spermienproduktion beteiligt ist, kann ein Zinkmangel zu Unfruchtbarkeit bzw. unerfülltem Kinderwunsch führen.

In diesen Lebensmitteln ist Zink enthalten

Zinkreich sind vor allem Lebensmittel tierischen Ursprungs wie Fleisch, Austern und Meerestiere, Eier, Milch und Milchprodukte. Bei Nahrungsmitteln pflanzlichen Ursprungs sind nennenswerte Zinkmengen in Hülsenfrüchten, Getreide (Haferflocken, Weizenkeime und Vollkorngetreide), Nüssen und Saat enthalten. Allerdings zeichnen sich Lebensmittel tierischer Herkunft neben dem höheren Zinkgehalt auch durch eine bessere Bioverfügbarkeit aus, da die in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs vorkommenden Phytate und Oxalsäure die Zinkaufnahme behindern. Der gleichzeitige Verzehr von Nahrungsmitteln tierischer Herkunft kann die Zinkabsorption aus phytatreichen Lebensmitteln allerdings verbessern12.

Kann Zink überdosiert werden?

Eine Zinkaufnahme aus Nahrung oder Supplementen bis insgesamt 25 mg täglich führt bei gesunden Erwachsenen nicht zu unerwünschten Wirkungen. Wenn längerfristig 50 mg Zink täglich zugeführt werden, sind Anämien, Störungen im Eisen- oder Kupferhaushalt, des Immunsystems oder des Fettstoffwechsels möglich.

Zu beachten

Die Zinkresorption kann durch Eisen beeinträchtigt werden. Personen, die Eisen-Supplemente einnehmen, insbesondere Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit, sollten daher auf eine ausreichende Zinkzufuhr achten.
Zink-Supplemente sollten gut verträglich sein und sich zudem durch eine hohe Bioverfügbarkeit auszeichnen. Eine organische Verbindung wie Zinkorotat oder Zinkgluconat kann vom Körper gut aufgenommen werden.

Quellen

  1. www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/zink/
  2. www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf, S. 141.
  3. Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, März 2018, link.springer.com/article/10.1007/s00003-017-1140-y/fulltext.html
  4. Shankar AH, Prasad AS: Zinc and immune function: the biological basis of altered resistance to infection. Am J Clin Nutr 1998 Aug, 68(2 Suppl): 447S-463S
  5. Barnett JB et al.: Effect of zinc supplementation on serum zinc concentration and T-cell proliferation in nursing home elderly: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Am J Clin Nutr 2016 Mar, 103(3): 942-51
  6. Science M et al.: Zink for the treatment of the common cold: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Canad Med Assoc J 2012, 184(10): 551-561
  7. Brand S: The clinical effects of zinc as a topical or oral agent on the clinical response and pathophysiologic mechanisms of acne: a systematic review of the literature. J Drugs Dermatol 2013, 12(5): 542-45
  8. Dreno B, Moyse D, Alirezai M et al.: Multicenter randomized comparative double-blind controlled clinical trial of the safety and efficacy of zinc gluconate versus minocycline hydrochloride in the treatment of inflammatory acne vulgaris. Dermatology 2001, 203(2): 135-40
  9. Classen HG, Gröber U, Löw D, Schmidt J, Stracke H: Zink-Mangel. Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie. MMP 2011, 3: 87-95
  10. Guo CH, Liu PJ, Lin KP, Chen PC: Nutritional supplement therapy improves oxidative stress, immune response, pulmonary function and quality of life in allergic asthma patients: an open-label pilot study. Altern Med Rev 2012 Mar, 17(1): 42-56.
  11. Swardfager W et al.: Zinc in Depression: A Meta-Analysis. Biol Psychiatry 2013 Jun, 24: pii: S0006-3223(13)00451-4
  12. www.vitalstoff-lexikon.de/Spurenelemente/Zink/