Experten warnen vor den Folgen von Polypharmazie auf den Biofaktoren-Status

Mai 2019

In einer aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Primary and Hospital Care“ von April 2019 weisen Ärzte auf die Probleme der Polypharmazie bei Älteren hin. Rentner nehmen aktuellen Informationen zufolge im Durchschnitt 5,6 Medikamente ein. Bei Alters- und Pflegeheimbewohnern erhöht sich diese Zahl auf 9,3. Für jedes zusätzliche Arzneimittel steigt nach Aussage der Mediziner das Risiko für Hospitalisation, Pflegeheimeinweisung und Tod um 8,6 % (1).
 
Vor dem Hintergrund dieser alarmierenden Zahlen appelliert die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB), dass dem Einfluss der Arzneimittel auf den Biofaktoren-Status mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Viele Medikamente können Mangelerscheinungen verursachen und dadurch den Gesundheitszustand der Patienten erheblich verschlechtern.

Viele Arzneimittel können zu einem Biofaktoren-Mangel führen
„Der Einfluss von Medikamenten auf die Versorgung mit Biofaktoren, zu denen insbesondere Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente gehören, wurde bislang in Medizin und Pharmazie weitgehend vernachlässigt“, warnten Wissenschaftler der GfB in einer Ende 2018 publizierten Übersichtsarbeit, in der sie die Auswirkungen einiger häufig verordneter Arzneimittel auf den Biofaktoren-Haushalt kritisch bewertet haben (2).

Die Experten betonten in ihrer Veröffentlichung die wichtige Bedeutung von Biofaktoren für die Gesundheit. Diese leisteten einen wertvollen Beitrag sowohl für die Prävention als auch die Behandlung ernährungsabhängiger Erkrankungen.

Arzneimittel belasten den Biofaktoren-Haushalt
Medikamente und Biofaktoren werden häufig über gleiche Transport- und Stoffwechselwege vom Organismus aufgenommen, verarbeitet und ausgeschieden. Wenn Patienten ein oder mehrere Arzneimittel einnehmen müssen, besteht für sie ein erhöhtes Risiko für negative Wechselwirkungen zwischen diesen Arzneimitteln und dem Biofaktorenstatus. In der genannten Publikation haben die Experten speziell den Einfluss von Protonenpumpenhemmern (PPI), Diuretika, Statinen und dem Antidiabetikum Metformin auf die Versorgung mit Biofaktoren geprüft.

Antacida und Vitamin B12-Mangel
Protonenpumpenhemmer (PPI) gehören zur Arzneimittelgruppe der Antacida und werden weltweit sehr häufig verordnet. Nahezu 50 % der älteren Menschen nehmen diese Säureblocker gegen Sodbrennen, Reflux, Gastritis und andere Magenerkrankungen regelmäßig und in der Regel über Jahre ein. Säureblocker hemmen die Aktivität der Belegzellen im Magen. Diese Belegzellen produzieren die Magensäure, die der Organismus allerdings benötigt, um Vitamin B12 aus dem Nahrungseiweiß zu lösen. Zudem bilden die Belegzellen den für die Vitamin B12-Resorption notwendigen Intrinsic Faktor. Ein Vitamin B12-Mangel droht. Die Wissenschaftler fordern daher regelmäßige Blutuntersuchungen, um einen Mangel des Biofaktors nachweisen zu können. Falls nötig, ist eine Vitamin B12-Supplementation zu empfehlen, um Mangelsymptome wie körperliche und geistige Schwäche, kognitive Störungen, Depressionen, Anämie und neurologische Erkrankungen zu verhindern.

Säureblocker führen zu Mineralstoffmangel
Bei dem hohen pH-Wert aufgrund einer PPI-Therapie können Mineralstoffe, insbesondere Magnesium, sowie Spurenelemente wie Eisen nicht ausreichend resorbiert werden. Die Wissenschaftler betonten, dass Patienten mit einer langjährigen Antacida-Therapie einen Magnesiummangel entwickeln können und daher von einer Magnesium-Supplementation profitieren.

Auch wenn bislang kein Zusammenhang zwischen einer langjährigen PPI-Therapie und einer Eisenmangelanämie nachgewiesen werden konnte, empfahlen die Experten, bei Risikogruppen wie Veganern, Vegetariern, Senioren und Patienten mit Helicobacter-Infektion das erhöhte Risiko eines Eisenmangels durch Antacida im Auge zu behalten.  

Auch andere Arzneimittel können zu einem Biofaktoren-Mangel führen
Die Wissenschaftler beschrieben weiterhin den Einfluss von Thiazid-Diuretika, Statinen und dem Antidiabetikum Metformin auf den Biofaktoren-Haushalt. Bei einer Diuretika-Therapie mit Thiaziden wurde von den Experten insbesondere das erhöhte Risiko eines Magnesiummangels herausgestellt. Bei einer cholesterinsenkenden Therapie mit Statinen sollte vor allem auf einen möglichen Mangel der Biofaktoren Vitamin D, Selen und Coenzym Q10 geachtet werden. Zudem betonten die Wissenschaftler bei einer Antidiabetika-Therapie mit Metformin das erhöhte Risiko eines Vitamin B12-Mangels.

Fazit der Experten: Kontrolle des Biofaktoren-Status wichtig
Der Einfluss von Arzneimitteln auf den Biofaktoren-Haushalt sollte insbesondere bei langjähriger Einnahme der Medikamente berücksichtigt werden. Betroffene Patienten sollten nach Meinung der Wissenschaftler regelmäßig untersucht werden, um einen arzneimittelbedingten Mangel der Biofaktoren festzustellen und bei Bedarf durch Supplemente auszugleichen. So können schwerwiegende Folgen eines Mangels an lebenswichtigen Biofaktoren verhindert werden.  


Quellen:
(1) Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019; 19(04): 113-115
https://primary-hospital-care.ch/de/article/doi/phc=d.2019.10047/
(2) Gröber U, Schmidt J, Kisters K: Important drug-micronutrient interactions: A selection for clinical practice. Critical Reviews in food science and nutrition.
https://doi.org/10.1080/10408398.2018.1522613

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