Vitamin-D-Mangel erhöht die Sterblichkeit

Mai 2013

Menschen mit einem Vitamin-D-Mangel sterben vermutlich häufiger an
Atemwegs-, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das zeigen Resultate der ESTHER*-Studie mit knapp 9.600 Teilnehmern, die in der Fachzeitschrift „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlicht wurden.

In Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 60 Prozent der Bevölkerung unzureichend mit Vitamin D versorgt. Dabei erfüllt der Nährstoff im Körper wichtige Funktionen: Er fördert zusammen mit Kalzium und Phosphat die Knochenhärtung und ist am Muskelstoffwechsel beteiligt. Zahlreiche Forschungsergebnisse der letzten Jahre legen nahe, dass das Vitamin aufgrund seiner hormonellen Wirkung auch bei anderen Krankheiten wie Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Krebs, Diabetes und Atemwegserkrankungen eine Rolle spielt.

Ob Vitamin D auch einen Effekt auf die Sterblichkeit der Bevölkerung hat, untersuchten Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Kooperation mit dem Epidemiologischen Krebsregister Saarland. In der ESTHERStudie begleiteten sie Personen ab 50 Jahren für einen Zeitraum von knapp zehn Jahren. Die Probanden beantworteten Fragen zu ihren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und nahmen an medizinischen Untersuchungen teil. Die Vitamin-D-Versorgung wurde zu Beginn der Studie und nach fünf Jahren anhand der 25- Hydroxyvitamin-D-Konzentration im Blutserum beurteilt, die auch die körpereigene Bildung widerspiegelt. Innerhalb eines Jahrzehnts starben 1.083 Probanden, darunter 433 Teilnehmer an Krebs-, 350 an Herz-Kreislauf- und 55 an Atemwegserkrankungen.

Die Forscher stellten fest, dass viele Menschen vor allem im Winter nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt sind. Vermutlich ist die geringe Sonneneinstrahlung in der dunklen Jahreszeit für die körpereigene Produktion nicht ausreichend. Im Januar hatten 24 Prozent der Teilnehmer einen sehr niedrigen (weniger als 30 nmol/l Serum-25-Hydroxyvitamin-D) und 71 Prozent einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel (weniger als 50 nmol/l Serum-25-Hydroxyvitamin-D). Aber auch im Juli war bei immerhin 41 Prozent der Probanden eine niedrige und bei 6 Prozent eine sehr niedrige Vitamin-D-Konzentration nachweisbar.

Bei den Teilnehmern mit einem niedrigen und sehr niedrigen Vitamin-D-Spiegel war die Sterblichkeit um das 1,2- beziehungsweise 1,7-Fache erhöht – verglichen mit Probanden mit einer ausreichenden Konzentration von mehr als 50 nmol/l Serum-25-Hydroxyvitamin-D. Das Risiko, an einer Herz- Kreislauf-Erkrankung oder einer Krebserkrankung zu sterben, war bei einem sehr niedrigen Vitamin-D-Spiegel um das 1,4- Fache erhöht, das für eine Atemwegserkrankung sogar um das Zweieinhalbfache.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollten nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich 20 μg Vitamin D mit der Nahrung aufnehmen. Vitamin-D-reiche Lebensmittel sind Fettfische wie Hering und Makrele, Leber, Eigelb und einige Speisepilze. Über die Nahrung allein lässt sich der Bedarf allerdings nicht decken. Im Gegensatz zu anderen Vitaminen kann der Körper diesen Nährstoff mit Hilfe des Sonnenlichts in der Haut selbst bilden. In der Regel reicht die Stärke der Sonneneinstrahlung in Deutschland von März bis Oktober für eine ausreichende körpereigene Bildung von Vitamin D aus. Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder nur vollständig bekleidet im Freien aufhalten, haben jedoch auch im Sommer ein hohes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel.

Die Gesellschaft für Biofaktoren (GfB) weist darauf hin, dass vor allem ältere Menschen häufig von einem Vitamin-D-Mangel betroffen sind. Zum einen halten sie sich weniger im Freien auf, zum anderen wird die Haut mit zunehmendem Alter dünner und bildet dadurch weniger Vitamin D. „Zusätzlich stört eine Reihe von Medikamenten den Stoffwechsel des Vitamins wie Antiepileptika, Säureblocker, Blutdruck- und Cholesterinsenker“, erklärt Apotheker und Vitamin-D-Experte Uwe Gröber von der GfB. Daher empfiehlt er insbesondere älteren Menschen und Personen, die sich wenig im Freien aufhalten oder regelmäßig Arzneimittel einnehmen, ihren Vitamin-D-Status kontrollieren zu lassen und das Vitamin ggf. zu substituieren.

Schöttker B, Haug U, Schomburg L, Köhrle J, Perna L, Müller H, Holleczek B, Brenner H: Strong associations of 25- hydroxyvitamin D concentrations with all-cause, cardiovascular, cancer, and respiratory disease mortality in a large cohort study. Am J Clin Nutr. 97 (4): 782-793 (2013)

*ESTHER = Epidemiologische Studie zu Chancen der Verhütung, Früherkennung und optimierten Therapie chronischer Erkrankungen in der älteren Bevölkerung.

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