Klarstellung zu einer Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt: B-Vitamine sind differenziert zu betrachten, Mangel an Thiamin fördert bei Diabetikern Nephropathien!

September 2010

Am 30. August 10 berichtete das Deutschen Ärzteblatt unter der Überschrift "Diabetische Nephropathie - Negative Effekte von hochdosierten B-Vitaminen" über eine Publikation im Journal of the American Medical Association (JAMA). Dieser Bericht im Deutschen Ärzteblatt bedarf einer sachlichen Klarstellung: Er bezieht sich auf eine Studie von House et al. (JAMA 2010; 303: 1603-9), in der der Effekt einer Behandlung mit den Vitaminen B6 (Pyridoxin), B9 (Folsäure) und B12 (Cobalamin) auf die Niere gegen Placebo untersucht wurde. Das heißt, die anderen Vitamine der B-Gruppe - Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B3 (Niacin), Vitamin B5 (Pantothensäure) und Vitamin B7 (Biotin) - waren nicht Gegenstand der Studie.

Die undifferenzierte Bezeichnung von "B-Vitaminen" in der Überschrift einer wissenschaftlichen Publikation sowie darauf aufbauenden Pressemeldungen erscheint daher der Thematik nicht angemessen und kann zu problematischen Missverständnissen in der Praxis führen: Dies speziell bei Patienten und Therapeuten, die andere B-Vitamine aufgrund unterschiedlichster Erkrankungen einnehmen bzw. verordnen.

Dass eine differenzierte Betrachtung der B-Vitamine gerade für Diabetiker von großer Bedeutung ist, zeigen auch die Studienergebnisse von Thornalley et al. (Diabetologia 2007; 50: 2164-70): Demnach liegt bei diabetischer Nephropathie ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) vor, der ursächlich mit der Entwicklung der diabetischen Nephropathie in Verbindung gebracht wird. Bei leichter diabetischer Nephropathie (GFR 93+/-23 bzw. 85+/-19 ml/min vor Placebo resp. Vitamin B1) im Stadium der Mikroalbuminurie wurde durch Thiamin-Gabe eine Verbesserung der Mikroalbuminurie nach 3 Monaten festgestellt (Rabbani et al., Diabetologia 2009; 52: 208-12).

Die Ergebnisse der Studie von House et al. wurden inzwischen auch in einer Stellungnahme von Paul J. Thornalley & Naila Rabbani (Nature Rev Endocrinol 2010; 6:477-8) kritisch kommentiert. Demnach stehen die Ergebnisse dieser Studie mit relativ kleiner Patientenzahl (n=118 für die Endauswertung nach 36 Monaten) im Gegensatz zu Ergebnissen aus wesentlich größeren Studien, in denen kein negativer Effekt der Vitamin-Kombination B6, B9 und B12 auf die Niere festgestellt wurde. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass die Patienten in der Studie unter fortgeschrittener Niereninsuffizienz litten (glomeruläre Filtrationsrate 51,7+/-28,2 bzw. 57,6+/-30,8 ml/min/1,73m2 vor Placebo resp. Vitamin-B-Kombination aus B6, B9, B12).

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