Kongress der Europäischen Diabetes-Gesellschaft: Vitamin B1-Vorstufe schützt Diabetiker-Herzen

September 2010

Stockholm - Eine Vorstufe vom Vitamin B1 (Thiamin), das Benfotiamin, könnte bei Diabetikern das erhöhte Risiko für Herzerkrankungen senken. Darauf weisen experimentelle Studien britischer Wissenschaftler um Dr. Rajesh Katare vom Herz-Insitut der Universität Bristol hin, die auf dem Kongress der Europäischen Diabetes-Gesellschaft in Stockholm vorgestellt wurden. 1

Menschen mit einem Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit, erleiden nicht nur wesentlich häufiger einen Herzinfarkt als Nicht-Diabetiker, sie überleben diesen auch seltener oder erholen sich schlechter davon. Ebenso ist das Risiko für eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) bei Diabetikern mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen ohne diese Stoffwechselstörung.

Wie das Team um Karate in zell- und tierexperimentellen Studien beobachtete, wirkt sich der chronisch erhöhte Blutzucker über komplexe biochemische Mechanismen schädigend und schwächend auf das Herz aus. Die Herzzellen und ihre Vorläuferzellen altern schneller, sie sterben rascher ab (Apoptose) und verfügen über schlechtere Reparaturmechanismen. "Benfotiamin hemmt diese negativen Effekte und verbessert so die Resistenz der Herzzellen gegenüber diabetesbedingten Schäden", fasste der britische Wissenschaftler Katare seine Erkenntnisse zusammen.

Welchen klinischen Nutzen das für zuckerkranke Patienten haben könnte, signalisieren eindrucksvoll tierexperimentelle Studien, die das Forscherteam im Juni online veröffentlichte:2 Durch eine Behandlung mit Benfotiamin konnte die Überlebensrate diabetischer Ratten nach einem Herzinfarkt deutlich erhöht werden. Die Vitamin B1-Vorstufe bremste die Apoptose von Herzzellen und förderte die Bildung von neuen Blutgefäßen. Dadurch erholten sich die Herzen der mit Benfotiamin behandelten Tiere deutlich besser von dem Infarkt als die der unbehandelten Artgenossen.
Über ähnliche Mechanismen wirkt der Vitaminabkömmling bei diabetischen Ratten offensichtlich auch einer Herzschwäche entgegen.3

Schon länger ist bekannt, dass Benfotiamin bei Diabetes die toxischen Auswirkungen des erhöhten Blutzuckers im Körper reduzieren kann.
Die Thiaminvorstufe aktiviert ein zentrales "Entgiftungs-Enzym" im Zuckerstoffwechsel, das entscheidende Weichen stellt: Es schleust angestauten Zucker auf einen vorteilhaften Abbauweg und entzieht ihn dadurch schädlichen Abbaupfaden, auf denen aggressive, zellschädigende Abfallprodukte entstehen. So hemmt Benfotiamin die toxischen "Irrwege" des gestörten Zuckerstoffwechsels, die Begleit- und Folgeerkrankungen des Diabetes an Nerven, Blutgefäßen und Organen wie Augen, Nieren und Herz fördern.

In der Prävention und Behandlung diabetischer Nervenschäden (Neuropathien) wird der Wirkstoff schon seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt. Für dieses Einsatzgebiet ist die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit des Provitamins in klinischen Studien nachgewiesen (Präparate mit dem Wirkstoff sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich). "Durch die aktuellen Erkenntnisse von Katare verdichten sich erneut die Hinweise, dass Benfotiamin einen umfassenden Schutz vor diabetischen Begleiterkrankungen bieten könnte", kommentierte die Gesellschaft für Biofaktoren e.V..

Quellen:
1 46.Jahrestagung der Europäischen Diabetes-Gesellschaft (EASD), 21.- 24.9.10 in Stockholm / Präsentation 1339 am 21.9.10
2 Katare R, Andrea C, Emanueli C, Maddedu P: Benfotiamine improves functional recovery of the infracted heart via activation of pro-survival G6PD/Akt signaling pathway and modulation of neurohormonal response.
J Mol Cell Cardiol 2010 Jun 8 (vorab online publiziert)
3 Katare RG, Caporali A, Oikawa A et al.: Vitamin B1 analog benfotiamine prevents diabetesinduced diastolic dysfunction and heart failure through Akt/Pim-1 mediated survival pathway.
Circ Heart Fail 2010; 3:294-305

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