Stellungnahme zur Wirksamkeit von Chondroprotektiva (Mittel zum Schutz des Gelenkknorpels)

September 2009

Von Prof. Dr. Dr. Dieter Loew
Arzt für Pharmakologie
Klinische Pharmakologie

Im Gegensatz zum entzündlichen Rheumatismus handelt es sich bei den degenerativen Gelenkerkrankungen um Abnutzung des Gelenkknorpels, vor allem in Knie- und Hüftgelenken mit Auffaserung und lochartigen Defekten.
Subjektiv klagen die Patienten über Schmerzen, Bewegungseinschränkung und Schwellung. Objektiv sind mit apparativen Verfahren (Röntgen; CT; MRT) Veränderungen wie Deformierungen, Gelenkspaltverschmälerung usw. nachweisbar.

Unter der Vorstellung, dass der Knorpel zerstört ist und nicht mehr regeneriert, werden zum Aufhalten des Prozesses Bestandteile der extrazellulären Matrix des Gelenkknorpels eingesetzt, wie Hyaluronsäure, Glucosaminsulfat (GS), Glucosaminhydrochlorid (GH) und Chondroitinsulfat (CS).

Zur Überprüfung der Wirksamkeit wurden klinische Studien vorrangig bei Kniegelenksarthrosen durchgeführt und in Metaanalysen die strukturelle Wirkung (Verringerung des Gelenkspaltes), die symptomatische Wirkung (Schmerzen, Beweglichkeit) und die Progression bewertet.

Unter Zugrundelegung der Jade-Wirk-Score-Kriterien* kann die Wirksamkeit folgendermaßen beurteilt werden:

Glucosaminhydrochlorid (Jade-Wirk-Score 1*): Das Hydrochloridsalz vom Glucosamin ist klinisch unzureichend untersucht. Zugelassene Präparate stehen nicht zur Verfügung.

Glucosaminsulfat (Jade-Wirk-Score 3*): Glucosaminsulfat (GS) ist durch randomisierte placebo-kontrollierte Studien besser belegt als Glucosaminhydrochlorid. Die Dosierung lag zwischen 1.200 und 1.500 mg/Tag. Es existieren Kurzzeitstudien über 4-6 Wochen, Studien mit mittelfristiger Laufzeit bis 6 Monate und Langzeitstudien bis 3 Jahre vor. Hauptzielgrößen waren Schmerz-Score, Lequesne-, WOMAC-Index und Gelenkspalt. Die Effekte waren im Vergleich zu Placebo signifikant.
Eine Cochrane-Analyse zu Glucosamin mit 20 placebokontrollierten Studien und 2.570 Patienten mit Kniegelenksarthrose zeigt einen Trend zur Schmerzreduktion. Nach Review ist GS wirksamer bzw. gleich wirksam zu nichtsteroidalen Antirheumatika (NSA).

Chondroitin (Jade-Wirk-Score 3*): Verleiht Knorpel Elastizität, speichert Wasser, antiinflammatorisch (entzündungshemmend), verhindert Knorpelabbau, stimuliert Reparaturmechanismen.
Die Auswertung von 19 randomisierten, kontrollierten Studien (RCTs) bei Osteoarthrose (OA) an Knie und Hüfte (n= 46-631; Dauer 13 - 132 Wochen) ergab eine signifikante Schmerzlinderung vs. Placebo, Effekte auf Vergrößerung des Gelenkspalts und eine nicht signifikante Analgetika-Reduktion.

Fischöl (Jade-Wirk-Score 5*): Hemmt proinflammatorische Mediatoren aus Leukozyten. Die Auswertung von 17 RCTs bei rheumatoider Arthritis (Dosis 1,6 - 7,1, g/Tag) ergab eine Linderung der Gelenkschmerzen und Morgensteifigkeit, eine signifikante Verringerung geschwollener Gelenke und die Reduktion von Analgetika. Bei Arthrose ist die Wirksamkeit allerdings nicht belegt.

Zusammenfassende Bewertung:

Auch wenn eine akute Wirkung wie Reduktion von Schmerzen und entzündlicher Reaktionen von Chondroprotektiva nicht zu erwarten ist, können strukturelle Veränderungen verbessert werden, wie Aufhalten der Progression, Stabilisierung bzw. Besserung des Gelenkspaltes, Zunahme der Beweglichkeit, Ausbleiben von Knirschgeräuschen und weniger Gelenkersatz an Knie und Hüften.

Aufgrund der Datenlage wird Glucosamin von der Osteoarthritis Research International (OARSI) zur symptomatischen Behandlung von Arthrosen empfohlen.

*Jade-Wirk-Score-Kriterien:
1. Kein Beweis, dass die Substanz wirkt. Der Beweis, dass sie nicht wirkt, ist stärker.
2. Geringer Beweis (meist eine Studie), dass die Substanz wirkt.
3. Vielversprechende Ergebnisse aus mehreren Studien, dass die Substanz wirkt.
4. Konsistenz in Ergebnissen aus mehr als einer Studie, dass die Substanz wirkt.
5. Schlüssige Beweise aus mehreren Studien, dass die Substanz wirkt.

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