Kongress der Europäischen Diabetes Gesellschaft Kann ein Vitamin die Folgeschäden des Diabetes eindämmen?

September 2008

Rom - Die Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus zählen zu den größten medizinischen Problemen unserer Zeit: Bis heute ist es nicht hinreichend gelungen, zuckerkranke Menschen vor Herzinfarkten, Schlaganfälle, Erblindungen, Nierenversagen und Nervenschäden zu bewahren. Vorrangiges Ziel jeder Behandlung muss eine optimale Einstellung des Blutzuckers sein, die aber leider in der Praxis häufig nicht befriedigend gelingt.
Neuen Erkenntnissen zufolge könnte ein krankheitsbedingter Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der gefürchteten Komplikationen des Diabetes spielen. Das berichteten Forscher auf dem diesjährigen Kongress der Europäischen Diabetes-Gesellschaft (EASD) in Rom (7.-11.9.08).

"Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker haben deutlich erniedrigte Thiamin-Konzentrationen im Blutplasma", sagten James Larkin und Prof. Paul Thornalley von der Universität Warwick, England. Untersuchungen der Forscher zufolge lägen diese durchschnittlich 75 -76 % unterhalb der Norm.
Ursache der extremen Thiamin-Defizite ist nicht etwa eine zu vitaminarme Ernährung, sondern ein diabetesbedingter Defekt der Niere: Wie die Wissenschaftler um Thornalley jetzt in experimentellen Untersuchungen herausfanden, wird das Ausscheidungsorgan durch den erhöhten Blutzucker durchlässiger für Vitamin B1. "Hohe Zucker-Konzentrationen unterdrücken die Bildung eines Thiamin-Transporters in der Niere", erklärte Larkin. Dieses Molekül hat im komplizierten Prozess der Harnbildung die Aufgabe, das für den Körper so wertvolle und wichtige Vitamin vor der Ausscheidung zu bewahren und wieder zurück in den Blutkreislauf zu schleusen. Fehlen Thiamin-Transporter, geht das Vitamin in großen Mengen über den Urin verloren.

Vitamin B1-Mangel fördert Zuckeraggressionen

Das scheint wiederum für Diabetiker fatale Auswirkungen zu haben: Die Forscher beobachteten, dass der Vitamin B1-Mangel mit einem Anstieg von Blut-Markern für Gefäßschäden und Adernverkalkung verbunden war, also voraussichtlich die Folgeschäden des Diabetes vorantreibt.
In einer klinischen Studie mit 943 Diabetikern konnte an der Universität Warwick nachgewiesen werden, dass die erhöhte Vitamin B1-Ausscheidung über den Harn mit dem Beginn des für Diabetiker typischen Funktionsverlusts der Niere im Zusammenhang steht.

Warum ein Vitamin B1-Mangel den Blutgefäßen und Organen des Diabetikers so schadet, können die Wissenschaftler auch erklären: Thiamin ist für die Funktion eines wichtigen Entgiftungsenzyms, der Transketolase, unentbehrlich. Dieses Enzym bremst die zerstörerische Wirkung des erhöhten Blutzuckers auf Blutgefäße und Organe wie Nieren und Augen, indem es die Bildung schädlicher Zucker-Abbauprodukte hemmt. Fehlt Thiamin, ist dieser Entgiftungsprozess gestört.

Therapeutischer Kunstgriff

Umgekehrt kann eine hohe Vitamin B1-Konzentration die Zuckertoxizität offensichtlich effektiv reduzieren: Schon in früheren Untersuchungen hatten Wissenschaftler von der Universität Heidelberg eindrucksvoll nachgewiesen, dass eine Vorstufe vom Thiamin, das Benfotiamin, die Aktivität des entgiftenden Enzyms Transketolase um 300 - 400 Prozent ankurbelt. So hemmte Benfotiamin in experimentellen Studien wirksam die gefäßschädigenden Mechanismen, die Folgeerkrankungen des Diabetes verursachen.

Die fettlösliche Vitamin B1-Vorstufe Benfotiamin wird vom Körper und den Geweben in wesentlich größeren Mengen aufgenommen als normales Vitamin B1. In den Zellen wird Benfotiamin dann in Thiamin ungewandelt. "Die sehr gute Bioverfügbarkeit und Gewebegängigkeit der Vitamin-Vorstufe ist eine wichtige Voraussetzung, um klinische Thiamin-Defizite rasch ausgleichen zu können und um gefäß- und nervschützende Effekte zu erzielen", erklärte die Gesellschaft für Biofaktoren (GfB). Dieser biologische Kunstgriff sei erforderlich, da herkömmliches Vitamin B1 nach oraler Aufnahme nicht in den für einen Therapieerfolg benötigten Mengen in die Gewebe gelangen würde.

Dass Zuckerkranke tatsächlich von einer Behandlung mit Benfotiamin profitieren können, ist längst keine graue Theorie mehr: Der rezeptfrei in Apotheken erhältliche Wirkstoff wird schon seit vielen Jahren erfolgreich in der Therapie und Prävention von diabetischen Nervenerkrankungen (Neuropathien) eingesetzt. Für dieses Einsatzgebiet ist die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit des Biofaktors in klinischen Studien belegt.
Doch das therapeutische Potential des Vitamin-Abkömmlings scheint bei weitem noch nicht ausgeschöpft zu sein: "Die Erkenntnisse der letzten Jahre stellen in Aussicht, dass Benfotiamin wahrscheinlich nicht nur die gefährdeten Nerven von Diabetikern schützt, sondern auch die Blutgefäße und Organe wie Augen und Nieren", meinen die Wissenschaftler von der GfB.
In tierexperimentellen Untersuchungen konnten mit Benfotiamin bereits diabetische Augen- und Nierenschäden verhindert werden.

Weitere Informationen zu den Studien:
- Diabetologia (2008) 51: [Suppl 1] S97-98
- www.easd2008.org

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E-Mail: info@gf-biofaktoren.de

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