Schon geringe Vitamin B12-Defizite schaden dem Gehirn

November 2008

Wer bis ins hohe Alter geistig fit bleiben möchte, sollte auf eine gute Versorgung mit Vitamin B12 achten. Denn schon leichte Defizite an dem lebenswichtigen Vitamin können offensichtlich Gehirnveränderungen nach sich ziehen, die zur Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit führen können. So das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Oxford in England, die in der Fachzeitschrift "Neurology" veröffentlicht wurde (71, 826-832; 2008).

Die Forscher um Anna Vogiatzoglou beobachteten über 5 Jahre bei 107 Personen im Alter von 61 bis 87 Jahren den Zusammenhang zwischen dem Zustand des Gehirns und der Versorgung mit dem in Fleisch, Fisch, Eiern und Milch enthaltenen Vitamin B12. Zu Beginn der Studie hatten alle Teilnehmer eine normale Gedächtnisleistung. Nach 5 Jahren kamen die Wissenschaftler zu einer erschreckenden Erkenntnis: Bei den Probanden mit der niedrigsten Vitamin B12-Konzentration im Blutplasma waren deutliche Veränderungen am Gehirn festzustellen. - Obwohl selbst in dieser Gruppe die Vitamin B12-Spiegel alle noch im Referenzbereich (> 150 pmol/L) lagen - also nach den gängigen Kriterien kein Mangel diagnostiziert wurde!

Die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB) weist darauf hin, dass auch leichte Vitamin B12-Defizite, die nach den derzeitigen Richtlinien sogar als "normal" angesehen werden, demzufolge schon zu Gehirnveränderungen führen können. "Diese Befunde stützen vorangegangene Untersuchungen, in denen wiederholt auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin B12-Mangel und verminderter geistiger Leistungsfähigkeit hingewiesen wurde", kommentieren die Wissenschaftler von der GfB.
Eine ausreichende Vitamin B12-Versorgung könnte daher möglicherweise entscheidend dazu beitragen, dem Abbau der geistigen Fähigkeiten im Alter und der Demenz entgegen zu wirken, schlussfolgern die Wissenschaftler von der GfB.

"Gerade bei älteren Menschen ist der Vitamin B12-Mangel ein unterschätztes Problem", warnen die Experten von der GfB mit Verweis auf eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift "Ernährungs-Umschau" (2004; 51: 90-95). Danach weisen 10 - 15 % der Senioren nach den gängigen Normwerten einen Mangel auf. Werden jedoch die heute als wünschenswert angesehenen Vitamin B12-Spiegel (> 220 pmol/l) als Messlatte angelegt, dann steigt die Häufigkeit einer Unterversorgung auf bis zu 43% an.

Mangelzustände im Alter sind meist nicht ernährungsbedingt, erklärt die GfB. Untersuchungen zeigten, dass die empfohlene Zufuhr von 3µg/Tag bei Nicht-Vegetariern in der Regel problemlos erreicht wird. Den B12-Defiziten bei Senioren liegt oftmals eine gestörte Aufnahme des Vitamins aus der Nahrung zugrunde: "Die Bildung von Magensäure nimmt häufig ab", erläutert der Dresdner Pharmakologe Prof. Joachim Schmidt von der GfB. Da die Säure aber notwendig ist, um Vitamin B12 aus der Nahrung herauszulösen, kann der lebenswichtige Biofaktor nicht in den erforderlichen Mengen aus den Lebensmitteln freigesetzt und in den Körper geschleust werden. Außerdem benötigt das Vitamin B12 ein Transportmolekül, den so genannten Intrinsic-Faktor, um vom Darm ins Blut zu gelangen. Wird dieser Faktor im Magen nur eingeschränkt produziert, ist ebenfalls ein Vitamin-Mangel vorprogrammiert. Auch einige Medikamente, wie Magensäureblocker (z.B. Omeprazol) oder das häufig verordnete Diabetes-Medikament Metformin, stören die Vitamin B12-Aufnahme und werden so zu Vitamin-Räubern, weiß der Apotheker Uwe Gröber.

In diesen Fällen sei eine Vitamin-Ergänzung das Mittel der Wahl, rät die Gesellschaft für Biofaktoren. Denn in Präparaten sei Vitamin B12 nicht an Nahrungseiweiß gebunden und könne daher unabhängig von der Magensäure-Konzentration aufgenommen werden. Hoch dosiertes Vitamin B12 (z.B. pro Tag ein Dragee mit 1000µg) könne sogar bei fehlendem Intrinsic-Faktor vom Darm ins Blut gelangen.
Viele Fach-Gremien empfehlen mittlerweile eine generelle Ergänzung von Vitamin B12 ab einem Alter von 60 Jahren.

Ein ernährungsbedingter Vitamin B12-Mangel kommt vor allem bei strengen Vegetariern vor, da das Vitamin fast ausschließlich in Lebensmitteln tierischer Herkunft enthaltenen ist.

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