Wenn der Zucker an die Nerven geht: Vitamin B1-Vorstufe hilft Diabetikern mit Nervenschäden

Dezember 2008

Diabetiker tragen ein hohes Risiko, dass ihnen ihre Zuckerkrankheit im wahrsten Sinne des Wortes an die Nerven geht: Jeder zweite bis dritte Diabetiker bekommt eine Nervenstörung, die so genannte Polyneuropathie, die sich meist durch Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühl oder Schmerzen in den Füßen bemerkbar macht.
Eine Vorstufe vom Vitamin B1, das Benfotiamin, scheint dem tückischen Leiden ursächlich entgegen wirken zu können und die unangenehmen Symptome zu lindern. Das bestätigte jetzt erneut eine klinische Studie eines Forscherteams um Prof. Hilmar Stracke von der Universitätsklinik Gießen und Marburg*.

Die Wissenschaftler behandelten 165 Diabetiker über einen Zeitraum von sechs Wochen entweder mit dem Biofaktor Benfotiamin (300 oder 600 mg pro Tag) oder mit einem Scheinmedikament (Placebo). Alle Patienten litten seit mindestens drei Monaten unter einer diabetischen Neuropathie.
Nach sechs Wochen hatten sich die Symptome der Neuropathie bei den Studienteilnehmern, die Benfotiamin erhielten, deutlich verbessert. Insbesondere die Schmerzen ließen nach, aber auch Taubheits-Gefühle und Brennen wurden gelindert.
"Dabei zeigte sich auch, dass der Wirkstoff selbst in hoher Dosierung mit 600 mg Benfotiamin pro Tag sehr gut verträglich ist und dass mit dieser höheren Dosierung eine noch bessere Wirkung erzielt wird", erklärt der Studienleiter Stracke.

Den besonderen Nutzen des vitaminähnlichen Wirkstoffs sehen die Wissenschaftler darin, dass er nicht nur die unangenehmen Symptome lindert, sondern der Nervenerkrankung offensichtlich auch ursächlich entgegen wirkt.
Denn "außer einer Optimierung der Blutzuckerkontrolle stehen nur wenig kausal wirksame Therapieoptionen zur Verfügung", weiß der Diabetologe Stracke. Und selbst bei sehr guter Blutzuckereinstellung hinterlässt die Stoffwechselstörung bei 28 % der Diabetiker Schäden an den Nerven.

Nervender Vitamin-Mangel

Neueren Erkenntnissen zufolge spielt ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Folgeschäden des Diabetes: Britische Wissenschaftler wiesen nach, dass Diabetiker um 75 -76 % erniedrigte Vitamin B1-Konzentrationen im Blutplasma haben. Das wurde erst kürzlich entdeckt, da sich der Mangel durch herkömmliche Messmethoden bei Diabetikern offensichtlich nicht nachweisen lässt.
Ursache der extremen Defizite ist ein diabetesbedingter Defekt der Niere, der große Vitamin B1-Verluste über den Urin zur Folge hat.
Da Vitamin B1 vielfältige Aufgaben im Zucker- und Nervenstoffwechsel hat, bleibt der Mangel zwangsläufig nicht ohne Folgen: Er fördert Neuropathien - und wahrscheinlich auch Schäden an den Blutgefäßen.
Denn Vitamin B1 wird auch für die Funktion eines wichtigen körpereigenen Entgiftungsenzyms benötigt, die so genannte Transketolase. Fehlt Vitamin B1, reichern sich aggressive und giftige Zwischen- und Abfallprodukte des Zuckerstoffwechsels an, die wiederum Nerven, Blutgefäße und Organe schädigen können.

Benfotiamin zügelt zerstörerischen Zucker

Die fettlösliche Vitamin B1-Vorstufe Benfotiamin wird vom Körper und dem Nervengewebe wesentlich besser aufgenommen als wasserlösliches Vitamin B1. "Das ist eine wichtige Voraussetzung, um die Vitamin-Defizite nach oraler Einnahme rasch und wirksam ausgleichen zu können", erklärt die Gesellschaft für Biofaktoren.
Gleichzeitig scheint Benfotiamin das Aggressionspotential des erhöhten Blutzuckers erheblich entschärfen zu können: Die Vitaminvorstufe kann nämlich die Aktivität der entgiftenden Transketolase nicht nur normalisieren, sondern sogar um das Drei- bis Vierfache steigern.
Wie experimentelle Studien zeigten, kann Benfotiamin dadurch wirksam die Bildung toxischer Abfallprodukte des Zuckerstoffwechsels hemmen, die wiederum für die Folgeerkrankungen des Diabetes - von der Neuropathie bis zu Nieren- und Augeschäden sowie Herzinfarkt und Schlaganfall - verantwortlich gemacht werden.

"Die aktuellen Studienergebnisse sind ein weiterer Beleg, dass der Biofaktor Benfotiamin sehr gut verträglich ist und für Diabetiker von großem Nutzen sein kann", kommentiert die Gesellschaft für Biofaktoren. "Zumal bei Zuckerkranken von einem Vitamin B1-Mangel auszugehen ist, der sich durch konventionelle Verfahren nicht nachweisen lässt, der aber unbehandelt das Risiko erhöht, dass Nerven-, Gefäß- und Organschäden voranschreiten", so die Experten von der GfB.

*Quelle: Exp Clin Endocrinol Diabetes 2008, 116: 600-605

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