Was können Vitamine und Mineralstoffe im Alter leisten?

November 2012

Frankfurt a.M. - Jeder Mensch wünscht sich ein langes Leben bei bester Gesundheit. Tatsächlich steigt die Lebenserwartung stetig, aber auch alterstypische Erkrankungen wie Diabetes und Demenz nehmen erheblich zu. Eine optimale Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die körperliche und geistige Fitness im Alter. Wann eine gezielte Substitution sinnvoll ist und welchen Einfluss diese auf die Entwicklung alterstypischer Erkrankungen und Störungen haben kann, diskutierten renommierte Wissenschaftler und Mikronährstoff-Experten bei einem Symposium der Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB) am 10. November 2012 in Frankfurt am Main.

Das Altern ist ein komplexer und individuell unterschiedlich verlaufender Prozess. Unbestritten ist, dass der Lebensstil einen erheblichen Einfluss auf den Erhalt der körperlichen und geistigen Fitness hat: „Gesundheitsbewusstes Verhalten hält den Körper jünger, während Raubbau am Körper - u.a. durch Fehlernährung, Tabakrauchen, hohen Alkoholkonsum, zu wenig Schlaf, Übergewicht, Bewegungsmangel und Stress - ihn schneller altern lässt“, erklärte der Vorsitzende der GfB, Prof. Hans-Georg Classen von der Universität Hohenheim in Stuttgart. 
Einer „gesunden, altersgerechten Ernährung“ komme in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu, wie Classen ausführte. Sie muss einem verringerten Energieumsatz bei gleichbleibendem bis erhöhtem Mikronährstoffbedarf gerecht werden: „Mit zunehmendem Alter ändert sich die Körperzusammensetzung des Menschen. Dadurch verringert sich der Energiebedarf“, so Classen. Im Gegensatz dazu sei der Nährstoffbedarf im Alter aber nicht vermindert. Im Gegenteil: Durch altersbedingte physiologische Veränderungen und krankheits- oder medikamentös bedingte Resorptionsstörungen steigt er sogar teils erheblich an.
Daher sollten Senioren Nahrungsmittel mit einer hohen Nährstoffdichte bevorzugen, wie Gemüse, Obst, Vollkornerzeugnisse, fettarme Milchprodukte und mageres Fleisch oder Fisch. „Leere Kalorienträger“ wie Zucker, Weißmehlprodukte und tierische Fette sollten hingegen möglichst gemieden werden, so Classens Rat.

Arzneimittel als Vitamin- und Mineralstoffräuber
„Häufig werden diese Empfehlungen im Alter aber nicht realisiert“, sagte der Experte. Das begünstige nicht nur Übergewicht, sondern gleichzeitig auch eine Mangelversorgung mit essentiellen Mikronährstoffen. Erheblich verschärft werde die Problematik, wenn zusätzlich Krankheiten und Arzneimittel den Bedarf erhöhen. „Im Hinblick auf die Häufigkeit und die stetig wachsende Anzahl von Arzneimitteln sollten die negativen Auswirkungen der Pharmakotherapie auf den Mikronährstoffhaushalt stärker als bisher beachtet und durch gezielte Intervention die potenziellen gesundheitlichen Risiken für den Patienten verringert werden“, forderte der Apotheker und Mikronährstoff-Experte Uwe Gröber aus Essen. Werden ein oder mehrere Arzneimittel eingenommen, bestehe immer das Risiko für Interaktionen mit dem Stoffwechsel essenzieller Mikronährstoffe. „Eine Beeinträchtigung des Mikronährstoff-status bleibt langfristig im Intermediärstoffwechsel nicht ohne Folgen, da kaum ein physiologischer Prozess unseres Körpers ohne die Beteiligung eines dieser Biokatalysatoren abläuft“, betonte Gröber. Vielfach wird aber unterschätzt, wie stark Vitamin- und Mineralstoff-Defizite die körperliche und geistige Leitungsfähigkeit beeinträchtigen sowie die Entstehung und Progression degenerativer Erkrankungen vorantreiben können.

Magnesium – effektiv beim metabolischen Syndrom
So fördert ein Mangel an Magnesium, der bei Senioren verbreitet ist, die Hypertonie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Insulinresistenz und dadurch das metabolische Syndrom sowie einen Diabetes mellitus Typ 2b. In der Altersgruppe über 60 Jahren leiden mehr als die Hälfte der deutschen Männer und Frauen an Bluthochdruck und mehr als 10 % an einem Diabetes mellitus, berichtete Prof. Klaus Kisters von der Medizinischen Klinik I des St. Anna Hospitals in Herne. Kisters betonte die dringende Notwendigkeit, den Magnesiummangel zu korrigieren: „Folgeerkrankungen und Lebensqualität können hierdurch deutlich positiv beeinflusst werden.“ Eine Magnesiumtherapie könne die Insulinsensitivität bei metabolischem Syndrom verbessern, die Diabeteseinstellungs-Qualität optimieren sowie zur signifikanten Prävention diabetischer Folgeerkrankungen beitragen. Zudem habe sie sowohl bei manifester Hypertonie als auch bei Grenzwerthypertonie positive Effekte erwiesen, so Kisters.

„Verzuckerung“ fördert Alterungsprozesse und diabetische Folgeerkrankungen
Im Hinblick auf die Folgeerkrankungen des Diabetes spielt auch das Vitamin B1 (Thiamin) eine entscheidende Rolle. Das Vitamin ist Co-Faktor zahlreicher Enzyme des Kohlenhydrat-Stoffwechsels - unter anderem der Transketolase. Ist die Aktivität dieses Enzyms reduziert - z.B. durch einen Thiamin-Mangel - fallen vermehrt schädliche Abfallprodukte des Zuckerstoffwechsels an, die Advanced Glycation Endproducts (AGEs). Diese Verzuckerungsprodukte entstehen kontinuierlich im Körper, akkumulieren in den Geweben und sind Teil des physiologischen Alterungsprozesses. Sie fördern chronische Entzündungen, Gefäßdysfunktion und dadurch eine für das Altern charakteristische multisystemische Funktionsabnahme. Bei Diabetikern läuft die AGE-Bildung in Folge der Hyperglykämie und einer verminderten Aktivität des Enzyms Transketolase forciert ab, was als wichtiger pathogenetischer Faktor bei der Entstehung von Folgeerkrankungen wie der diabetischen Neuropathie angesehen wird, erläuterte Prof. Burkhard Herrmann, Diabetologe aus Bochum. „Vitamin B1 und insbesondere das hochbioverfügbare Thiaminderivat Benfotiamin können die Transketolaseaktivität erhöhen und auf diese Weise die Zellen vor einer Akkumulation von AGEs schützen“, so Herrmann. Durch eine ausreichend hoch dosierte orale Zufuhr des Provitamins Benfotiamin könne „z.B. die Entstehung der peripheren Neuropathie gehemmt werden und die bereits bestehenden Symptome können kausal behandelt werden.“

Vitamin B12-Mangel: häufig und folgenschwer
Oftmals werden auch die Häufigkeit und Folgen eines Vitamin B12-Mangels im Alter unterschätzt. Darauf wies der Pharmakologe Prof. Joachim Schmidt aus Dresden hin. Bis zu 30 % der Personen über 65 Jahre sind davon betroffen. Ursachen des Mangels sind neben einer unzureichenden Zufuhr mit der Nahrung vor allem alters-, krankheits- und medikamentös bedingte Störungen der Aufnahme von Vitamin B12 aus dem Magen-Darm-Trakt. Die Folgen können mit schwerwiegenden und zum Teil lebensbedrohlichen Erkrankungen verbunden sein. „Neurologische Störungen sind oft die frühesten und zum Teil auch einzigen klinischen Symptome eines funktionellen Vitamin-B12-Mangels“, sagte Schmidt. Im Vordergrund stehen Parästhesien oder Taubheitsgefühle der Haut, „eingeschlafene“ Hände oder Füße, Gangunsicherheit und Koordinationsstörungen bis hin zu Lähmungen. Außerdem kann es auch zu zerebralen Störungen kommen, mit vielfältigen Symptomen: von Verwirrung, Stupor, Apathie und Störungen des Gedächtnisses bis hin zu Psychosen, Depressionen und Demenz. In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass bei älteren Menschen eine latente Unterversorgung mit Vitamin B12 mit einer Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit verbunden ist. „In der Praxis werden die neurologischen Störungen aber unzureichend als Folgen eines Vitamin B12-Mangel erkannt“, betonte Schmidt. Dabei sei es hinreichend erwiesen, dass sich diese Erkrankungen durch eine möglichst frühzeitige Substitution von Vitamin B12 gut behandeln lassen. Die zur Normalisierung des B12-Status erforderliche orale Dosierung ist von den Ursachen und dem Schweregrad des B12-Mangels abhängig. Liegt eine Malabsorption, Darmerkrankung oder Störung der Verwertung von Vitamin B12 vor, dann sind Dosierungen von = 500 -1000 µg/d erforderlich. In dieser Dosierung ist die orale Therapie ebenso effektiv wie die parenterale. Bei schweren neurologischen Störungen kann im Interesse einer raschen Anflutung initial auch die parenterale Applikation erforderlich sein.

Mobilität und Stabilität erhalten: Biofaktoren für die Knochen
Wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Selbständigkeit, Mobilität und Lebensqualität im Alter ist auch ein stabiles Skelett. Ungefähr jede dritte Frau erkrankt nach den Wechseljahren an Osteoporose, und etwa die Hälfte der Frauen und Männer im Alter von über 75 Jahren leiden an dieser Erkrankung.
In der Osteoporose-Prophylaxe und -Therapie zählt eine ausreichende Versorgung mit am Knochenstoffwechsel beteiligten Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zu den grundlegenden Maßnahmen. „Nur durch eine kontinuierliche ausreichende Zufuhr dieser Nährstoffe lässt sich verhindern, dass der Körper auf die Knochen als Mineralreservoir zugreift“, erklärte Prof. Hilmar Stracke vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Der Experte wies darauf hin, dass das Zusammenwirken mehrerer Vitamine und Mineralstoffe für einen effektiven Schutz vor Osteoporose ganz entscheidend ist. Neben Calcium und Vitamin D haben beispielsweise auch Magnesium, Fluor und Vitamin K einen wesentlichen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel. So ist eine ausreichende Vitamin K-Versorgung eine wichtige Basis für die Wirksamkeit des Calciums: Das Vitamin reguliert die Knochenmineralisation durch Aktivierung des Osteocalcins und schafft so Bindungsstellen für Calcium in der Knochenmatrix. Außerdem verstärkt es die Absorption und Retention von Calcium. Magnesium wird ebenso wie Vitamin D für die Calcium-Resorption im Darm benötigt und fördert außerdem die Mineralisierung der Knochen. Durch einen Mangel an nur einem der am Knochenstoffwechsel beteiligten Vitamine oder Mineralstoff wird „Raubbau“ am Skelett betrieben.

Schattenseiten des Alters: Vitamin D-Mangel – ein unterschätztes Problem
„Während Vitamin D bisher vor allem bei der Skelettentwicklung und Osteoporose-Prävention oder -Therapie eine wichtige Rolle gespielt hat, so führen neuere Erkenntnisse und Befunde zu Überlegungen, das Vitamin auch prophylaktisch und therapeutisch z.B. bei kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus und zur Krebsprävention einzusetzen“, berichtete der Pharmakologe Prof. Dieter Loew aus Wiesbaden. Bei etwa 60% der Deutschen weisen die Blutwerte auf einen unzureichenden Vitamin D-Status hin. Ursache dieses verbreiteten Mangels ist die Besonderheit des Vitamins: Nur wenige Lebensmittel enthalten Vitamin D in bedeutenden Mengen, dazu gehören insbesondere Fettfische wie Hering und Makrele. Die wichtigste Vitamin-D-Quelle ist die körpereigene UV-abhängige Bildung in der Haut, die allerdings in der dunkleren Jahreszeit in Deutschland nicht ausreichend ist. Besonders gefährdet sind Menschen, die sich wenig oder nur vollständig bekleidet im Freien aufhalten und Senioren. Denn „im Alter nimmt die cutane Vitamin D-Produktion deutlich ab“, sagte Loew. Die Risiken, die mit niedrigen Vitamin D-Konzentrationen verbunden sind, reichen von der Osteoporose bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, metabolischem Syndrom, Diabetes und Krebs.

Gezielte Substitution – großer Nutzen
Insgesamt appellierten die Wissenschaftler bei der Veranstaltung, der Vitamin- und Mineralstoffversorgung von Risikogruppen, wie älteren, multimorbiden Patienten, mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ein fundiertes Wissen über Biofaktoren, das heißt über Risikofaktoren für Mangelzustände, über krankheits- bzw. medikamentös bedingte Mikronährstoff-Defizite und typische Mangelsymptome, ist eine wichtige Grundlage, um eine Unterversorgung mit diesen essentiellen Nährstoffen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Durch eine gezielte Substitution kann die Vitalität im Alter und die Prävention und Therapie von alterstypischen Erkrankungen und Störungen wirksam unterstützt werden, so das Fazit der Experten.

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